Die Hundezunge – mehr als nur ein Temperaturregler

Eines der wichtigsten, aber auch vielfältigsten Organe, ist die Zunge des Hundes. Beweglich wie eine Schlange und klappbar wie ein Taschenmesser, ist sie für den Hund eines seiner wichtigsten Körperteile. Wissenschaftlicher widmeten der Hundezunge eine ganze Studie und fanden dabei heraus, dass Hundespeichel desinfizierend und bakterienabtötend wirkt.
Auch wir haben uns einmal näher mit der Hundezunge beschäftigt.

Die Zunge in der Anatomie:

Beginnend mit der Zungenwurzel am Zungenbein, wird die Zunge nach vorne hin dünner und besteht aus übereinander liegenden Muskelfasern, die ihr die Beweglichkeit ermöglichen. Egal welches Werkzeug der Hund gerade benötigt, seine Zunge formt es: eine Röhre zum Saugen, eine Kelle zum Trinken, einen Greifer, um Beute festzuhalten. Im Gegensatz zum Hund ist der Mensch jedoch klar im Vorteil, wenn es um das Geschmackliche geht. Wir besitzen ca. 9000 Geschmacksknospen. Die Geschmackspapillen des Hundes weisen nur etwa 1.500 Geschmacksknospen auf. Hunde schmecken also deutlich schlechter. Vielleicht schlingt der Hund auch deshalb seine Nahrung so schnell, denn der Geschmack scheint ihn nicht sonderlich zu beeindrucken.

Die Zunge als Temperaturregler:

Neben dem Einspeicheln der Nahrung, besteht die Hauptaufgabe der Zunge in der Wärmeregulierung des Hundes. Wird dem Vierbeiner zu warm, öffnet er sein Maul und führt über die Zunge Wärme ab. Wird es noch wärmer, beginnt der Hund zu hecheln. Seine Zunge hängt ihm buchstäblich „aus dem Hals“ und seine Atemfrequenz erhöht sich deutlich. Dabei verdunstet Feuchtigkeit und die Temperatur wird gesenkt. So einfach sich das auch anhört, Hunde haben große Probleme mit Wärme. Die Körpertemperatur des Hundes liegt zwischen 37,5 und 39 Grad. Steigt sie um nur 1 bis 2 Grad, überhitzt das Gehirn des Hundes und er bekommt migräneartige Kopfschmerzen. Um das Kühlsystem in Gang zu halten braucht der Hund Wasser. Bekommt er davon zu wenig, wird dem Blutplasma Flüssigkeit entzogen. Dadurch wird das Blut dicker, die Zellzusammensetzung verändert sich, die Sauerstoffversorgung ist gestört. Um diesen Vorgang zu verhindern stoppt der Vierbeiner sein Hecheln. Doch jetzt überhitzt der Körper und es besteht die akute Gefahr eines Hitzschlages. Ab 41 Grad Körpertemperatur kommt es zur Schädigung des Nervensystems, ab 44 Grad versagt der Kreislauf des Hundes und es droht der Tod.

Diese Tatsache erklärt die Gefahr des Hundes bei hohen Temperaturen im Auto!

Die Trinktechnik:

Wie trinkt der Hund? Zunge raus und wieder rein? So würden wir Menschen es machen. Doch der Hund kann seine Zunge wie zu einer Suppenkelle formen. Er geht mit der Zunge in den Wassernapf und formt sie dann zu einer Schaufel. Ist das Wasser im Maul, wird die Zunge wieder gestreckt und schießt erneut in den Wassernapf. Lange Zeit wusste man von dieser Technik nichts, erst mit Hilfe von Hochgeschwindikeitsaufnahmen konnte man diese Art des Trinkens feststellen.

Die Nahrungsaufnahme:

Die Nahrungsaufnahme ist eine weitere, wichtige Funktionsaufgabe der Hundezunge. Wie bereits erklärt, muss Hundefutter für den Hund zunächst einmal sehr gut riechen, um ihn zu begeistern. Durch den „Mangel“ an Geschmacksknospen, kann er zwar süß, sauer, salzig und bitter unterscheiden, aber Delikatessen erschnüffelt er ausschließlich mit seiner Nase. Signalisiert nun die Nase dem Hund, dass es lecker riecht, fangen die Speicheldrüsen an Speichel zu produzieren und der Vierbeiner frisst, egal was vor ihm auf dem Boden liegt. Das führt dazu, dass es manchmal nicht nur Hundefutter ist, sondern ein gut duftender Pferdeapfel oder andere, für uns befremdlich wirkende Dinge.

Das Sprichwort: „Da läuft einem das Wasser im Munde zusammen“ bekommt für den Hund eine ganz andere Bedeutung.

Die Zunge unter hygienischen Gesichtspunkten:

Beim Thema Hundespeichel sollte so langsam umgedacht werden. Hundespeichel wurde bereits im Mittelalter für infizierte Wunden genutzt. Glaubt man den Aufzeichnungen der Ärztin Hildegard von Bingen, so war der Hund unter den Ärzten im Mittelalter ein gerne gesehener Helfer. Zahnschmerzen wurden beispielsweise mit dem Auflegen von Hundekot gelindert, Hundefett wurde Lungenkranken auf der Brust verteilt und Hundehaut half bei Arthrose.

Die moderne Schulmedizin ist von diesen Methoden nicht zu überzeugen. Allerdings weiß man heute, der Hundespeichel ist keinesfalls gefährlich.Wenn ein Hund an einer Wunde leckt, so sagen selbst manche Ärzte, heilt sie besser. Obwohl sich massenweise Bakterien im Hundemaul befinden, so ist der Speichel des Hundes nachgewiesen bakterienabtötend.

Es besteht also kein gesundheitliches Risiko für den Halter, wenn er mit einem schlabbernden Hundekuss begrüßt wird.

Und mal ganz ehrlich, diese kleinen, feuchten, nassen Küsse, oder das liebevolle Abschlecken mitten durchs Gesicht, irgendwie gehört es manchmal auch dazu, oder?

 

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