Vermenschlichung des Hundes?

Unser Hund ist nicht „nur“ ein Hund. Er ist viel mehr ein vollwertiges Familienmitglied. Das Wohl des Vierbeiners liegt uns am Herzen und wir tun sehr viel dafür, damit es ihm gut geht. Leider bringt diese große Liebe zu unserem Hund auch ein paar Probleme mit sich.

Wir Menschen sehen unsere Welt aus der menschlichen Perspektive. Der Hund jedoch nimmt seine Welt aus seiner Perspektive wahr. Und genau hier beginnen die Probleme, denn leider ist uns seine Perspektive nicht bewusst. Probleme in der Erziehung entstehen nahezu immer durch uns, denn es liegt am Menschen, sich durch Lernen und Beobachten den Hund und sein Verhalten mit seinen Bedürfnissen greifbarer zu machen und ihn besser zu Verstehen.

Wo beginnt die Vermenschlichung des Hundes überhaupt?

Würde man eine Umfrage starten mit der Frage: Wo beginnt die Vermenschlichung unserer Hunde würde man sicherlich folgende Dinge hören:

  • den Hund auf’s Sofa lassen,
  • dem Hund Mäntel anziehen,
  • den Hund im Bett schlafen lassen
  • dem Hund „Kitsch“ anlegen oder zum Beispiel ein Hundehandtäschchen kaufen
  • mit dem Hund sprechen, als wäre er ein Mensch etc.

Tatsächlich beginnt die Vermenschlichung des Hundes aber woanders. Wenn wir uns nicht die Mühe machen wollen, unseren Hund und seine Bedürfnisse, so individuell sie vielleicht auch sein mögen, kennen zu lernen, wenn wir ihnen unsere menschliche Sichtweise der Welt und unsere Realität aufdiktieren möchten, dann beginnt die Vermenschlichung unseres Vierbeiners.
Häufig möchten wir nicht akzeptieren, dass unser Hund den Hund unseres Bekannten nicht mag, auch wenn wir so gerne mit ihnen spazieren gehen. Wir bringen unseren Hund in eine für ihn sehr schwierige Situation, wenn wir nicht verstehen, das längeres Herumschnüffeln einen Teil seiner Bedürfnisse befriedigen würde. Vielleicht möchte unser Vierbeiner auch nicht angefasst werden, doch wir erlauben es. Wir gehen davon aus, der Hund kann sein Verhalten reflektieren, beispielsweise wenn er an der Leine zieht. Wir bestrafen ihn für das Ziehen und unterstellen ihm eine Fähigkeit, die wir selbst jedoch nicht erfüllen. Eben weil wir nicht aus der Perspektive eines Hundes handeln, sonder aus der menschlichen Sichtweise.

Unsere Hunde können sich ihren Lebensraum oft nicht selbst aussuchen. Wir gehen ins Tierheim, oder zum Züchter, vielleicht suchen wir einen Hund bei einer Tierschutzorganisation im Ausland, oder aus dem Internet aus. Somit entscheiden wir fortan, wo er leben wird. Wir entscheiden wann er rausgehen darf, wann er etwas zu Fressen bekommt, was er zu Fressen bekommt, ob er spielen darf, vielleicht entscheiden wir auch, ob er sich fortpflanzen darf.
Das einzige was ihm bleibt ist das, was die Biologie ihm vorgibt. Sie können beispielsweise wesentlich besser riechen, besser hören und sie sehen ihre Umwelt anders als wir. Nicht nur ihr Blickwinkel ist anders, auch ihre Vorstellung von sozialen Kontakten entspricht nicht unseren. Wir blicken unseren Gesprächspartner höflicherweise ins Gesicht, für viele Hunde stellt das eine Bedrohung dar. Beim Lachen zeigen wir unsere Zähne, für Hunde bedeutet das Zeigen der Zähne jedoch ein aggressives Verhalten.

Was ist für unseren Hund eine artgerechte Haltung?

Wissenschaftlich ausgedrückt bedeutet eine artgerechte Haltung, natürliche Lebensbedingungen des Tieres und deren Bedürfnisse weitestgehend zu befriedigen, indem man ein Umfeld schafft, welches ihrer ursprünglichen Lebensweise sehr nahe kommt. Zoologische Einrichtungen versuchen den Tieren ein Gehege zur Verfügung zu stellen, bestehend aus dichtem Gestrüpp, einer weiten Steppe oder Gebirgszügen mit kleinen, hügeligen Landschaften, oder ein See mit einem künstlich angelegtem Ufer, je nach Tierart.

Hunde hingegen sind seit tausenden von Jahren treue Begleiter und Bestandteil unserer Gesellschaft. Seine Umgebung ist das Haus, der Hof, das Land, oder die Stadt. Hunde passen sich hervorragend den unterschiedlichen Lebensräumen der Menschen an. Ob nun als Schlittenhund in Grönland, oder als Spürhund in den Schweizer Alpen. Wir finden Hunde rund um den Globus, in allen erdenklichen Lebensräumen, die wir als Menschen bewohnen.

Wir können die Frage nach der artgerechten Haltung im Grunde nicht vollständig beantworten. Wir können nur aus dem Verhalten des Tieres schließen, ob es für den Vierbeiner lebenswert und somit artgerecht ist. Wir sind weit davon entfernt zu wissen, was wirklich die richtige Haltungsbedingung darstellt, denn dazu gibt es zu viele verschiedene Lebensräume und auch zu unterschiedliche Hundetypen. Der Hund lebt im Haus, schläft in unserem Bett, aber er lebt genauso in der weiten Steppe, oder in der Eiswüste. Wir können nicht pauschal sagen was artgerecht ist. Der Vierbeiner lebt gerne in Gruppen, aber auch nicht zwingend. Er mag die Gesellschaft des Menschen und häufig werden sie danach selektiert, sich dem Menschen und nicht anderen Hunden anzuschließen.

Fazit:

Wenn wir unserem Hund ein Leben bieten, in dem wir selbst unsere Vorlieben und Bedürfnisse ein wenig mehr auf ihn einstellen, in dem wir ihn als ein Individuum betrachten, in dem er sein Umfeld so kontrollieren kann, das er nicht durch Stress krank wird, dann haben wir ihm Haltungsbedingung geschaffen, in denen er sich artgerecht und typgerecht entwickeln kann. Probleme mit einem Hund und dessen Verhalten sollten durch uns so trainiert werden, das er sich besser fühlt und sein Umfeld entsprechend besser managen kann.

Lernen wir die Sprache unseres Vierbeiners und begeben wir uns viel lieber auf eine interessante Sichtweise seiner Perspektive, anstatt ihn ständig nach unseren Bedürfnissen und Vorlieben verformen zu wollen.

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