Benno und die Grannen

Kopfschüttelnd saß Benno vor mir und schaute mich mit schief gehaltenem Kopf an. Immer wieder schüttelte er kurz sein Haupt, währende seine Ohren schlackerten als wollten sie fort fliegen, aber seine braunen Augen verrieten Unsicherheit.
„Benno, was ist los mit Dir? Geht es Dir nicht gut?“ Wie zur Bestätigung kratzte er sich mit seiner Hinterpfote am rechten Ohr.
„Komm einmal zu mir, ich schau mal,“ rief ich ihn.

Vorsichtig näherte sich Benno, blieb aber mit einem gewissen Sicherheitsabstand vor mir stehen. Das war für unseren Hund völlig untypisch, er kam immer wenn man ihn zu sich rief, schließlich könnte er ein Leckerchen bekommen. Als er dicht vor mir stand, wollte ich mir sein Ohr anschauen. Ich berührte ihn, doch Benno sprang jaulend nach hinten. Mein Hund hatte Schmerzen, das war offensichtlich.

Vorsichtig versuchte ich es noch einmal und diesmal blieb Benno steif stehen und tolerierte meine Behandlung. Ich klappte sein Ohr vorsichtig zur Seite und erschrak. Ein unangenehmer Geruch sagte mir deutlich: da stimmt irgend etwas nicht. Auch hatte ich den Eindruck, das Ohr sei innen feucht.
„Benno ich glaube wir fahren mal zum Doktor, was meinst Du? Der muss Dir mal ins Ohr schauen.“ Die angerufene Helferin sagte mir, ich könne sofort kommen. Wenig begeistert schlurfte Benno hinter mir her, er ahnte vermutlich wohin wir wollten. Beim Doktor angekommen mussten wir noch einen kleinen Moment warten, ein kleiner, humpelnder Dackel war vor uns an der Reihe. Benno setzte sich vor mich und schaute mich aus traurigen Augen an. Schließlich rief die Helferin: „ So Benno, dann bist Du jetzt dran.“
Unsicher trottete mein Hund hinter mir her. „Hallo Benno, na wie geht es Dir?“ empfing uns der Tierarzt. „Ich glaube nicht so gut. Benno hält den Kopf so schief und er ist sehr berührungsempfindlich an seinem rechten Ohr,“ beantwortete ich die Frage.
„Na komm Benno, wir stellen Dich mal auf unsere Behandlungstisch und schauen mal ganz vorsichtig in Dein Ohr,“ meinte der Tierarzt. Benno war überhaupt nicht begeistert und war schwer wie ein Mehlsack beim Hochheben. Auf dem Tisch angekommen hielt er wieder seinen Kopf ganz schief und schüttelte ihn unwillig. Der Arzt nahm ein Otoskop, das ist so eine Art trichterförmige Taschenlampe, mit der er vorsichtig in Bennos Ohr leuchtete. „Hmm, so auf den ersten Blick sehe ich nur eine stark geschwollene Ohrmuschel und ein hochrotes Ohr,“ war seine erste Diagnose.
„Es könnten Milben sein, aber eigentlich deutet sein Verhalten eher auf einen Fremdkörper hin, den er durch das Kopfschütteln aus seinem Ohr haben möchte.“ „Benno wir werden erst einmal Dein Ohr spülen. Vielleicht hilft das schon, zumindest aber macht es das Ohr sauber und wir können mehr erkennen“ entschied der Tierarzt. Er nahm eine Flasche mit einem breiten Trichter, darin war eine Flüssigkeit. Vorsichtig klappte er Bennos Ohr zur Seite und drückte die Flüssigkeit aus der Flasche in Bennos Gehörgang.

Mein Hund zuckte zusammen und fand die Behandlung überhaupt nicht toll. Er versuchte die Flüssigkeit durch Schütteln so schnell wie möglich aus dem Ohr zu bekommen und der Tierarzt lobte ihn. „Brav Benno, so ist das gut.“

„Durch das Schütteln reinigt sich der Hund sein Ohr selbst,“ erklärter er mir. Nachdem das Schütteln weniger wurde, leuchtete der Doktor wieder in Bennos Ohr und meinte dann: „Ahhh, ja Benno jetzt verstehe ich Dich“. „Benno hat eine Granne im Ohr, sie steckt relativ weit unten im Gehörgang fest,“ erklärte mir der Arzt. „Wenn Du jetzt ganz tapfer bist Benno, dann bist Du die Granne gleich los.“ Unsicher schaute Benno zu mir und der Tierarzt wies seine Helferin an, ihm eine lange Pinzette zu holen.

„Was bitte ist eine Granne?“ fragte ich unterdessen den Behandler. „Grannen findet man an Kornähren, beispielsweise auf einem Kornfeld. Das Korn reift langsam heran und die langen Haare an den Ähren sind die sogenannten Grannen.
Sie befinden sich aber nicht nur an Kornähren, sondern auch an manchen Süßgräserarten und begegnen uns auf Wiesen, im Wald oder auch im Feld.

Der Hund läuft beim Spaziergang an diesen Halmen vorbei und die Haare können sich lösen. Bei Benno ist so eine Granne in seinen Gehörgang geraten. Häufig geraten sie aber nicht nur in die Ohren, sondern in die Pfoten, die Nase oder das Auge. Eigentlich können sich diese Grannen überall festsetzen und leider führen sie häufig zu Entzündungen oder Abszessen, denn einmal in den Organismus gewandert werden sie von der Haut umschlossen und können sogar durch Bewegungen des Hundes unter der Haut weiter wandern,“ erklärte mir der Tierarzt ausführlich. „Und das hat der arme Benno??“ fragte ich entsetzt. „Ja leider ja. Aber wir entfernen diese Granne jetzt, denn sie ist noch gut zu erkennen. Leider ist das nicht immer der Fall und der Hund bildet einen Abszess und hat Schmerzen. Allerdings denken wir Tierärzte im Sommer öfter an Grannen, denn Benno ist kein Einzelfall. Es ist gut das Sie so frühzeitig gekommen sind, so können wir Schlimmeres verhindern,“ beruhigte mich der Tierarzt.
Die Helferin reichte dem Tierarzt die Pinzette und leuchtete in Bennos Ohr. Ich redete Benno gut zu und hielt seinen Kopf fest. Ein kurzes Aufjaulen zeigte uns deutlich, dass der Tierarzt die Granne rausgezogen hatte. Vorsichtig zog er die Pinzette aus dem Ohr und zeigte mir den Übeltäter. Benno schüttelte derweilen seinen Kopf und beruhigte sich langsam wieder.
„Wir haben Glück im Unglück gehabt und mit einem leichten Antibiotikum wird es Benno jetzt ganz schnell besser gehen und die Entzündung wird rasch abheilen. Gott sei dank konnten wir sie so entfernen und mussten den Hund nicht in Narkose legen, denn Grannen können sehr üble Entzündung hervorrufen die nur operativ eröffnet werden können und die bereits Eiter gebildet haben. Benno hat auch ein wenig Eiter im Ohr, sein Hundekörper hat auf diese Weise versucht, die Granne abzustoßen,“ erklärte mir der Arzt. „Ich gebe Ihnen jetzt ein lokales Antibiotikum in Form von Ohrentropen mit“ sagte der Tierarzt zum Abschluss seiner Behandlung.

Endlich durfte Benno wieder vom Behandlungstisch und war sichtlich erleichtert.

Eine Frage wollte ich aber noch geklärt haben. „Was kann ich zur Vorbeugung eigentlich tun?“

„Ehrlich gesagt nicht viel, aber kontrollieren Sie den Hund nach jedem Spaziergang und wann immer er ein auffälliges Verhalten zeigt, vereinbaren Sie einen Termin. Manchmal hat der Hund eine geschwollene Pfote und man denkt vielleicht an einen Insektenstich. In Wirklichkeit ist der Hund aber in eine Granne getreten und die hat sich in die Haut gebohrt und eine Entzündung hervorgerufen“ erläuterte der Tierarzt.
„Hier Benno, weil Du so tapfer warst bekommst Du ein ganz besonderes Leckerchen.“ Noch ein wenig zögerlich näherte sich mein Hund der Helferin und nahm vorsichtig das angebotene Leckerchen. „Also Benno mach`s gut und gute Besserung“ wünschte uns das Praxisteam. Wir verabschiedeten uns und im Auto versprach ich Benno: „So nach jedem Spaziergang kuscheln wir jetzt eine extra Runde und dabei schaue ich ganz genau ob ich so eine böse Granne finde.“

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Ein Kommentar zu

  1. by cyberwatch am
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    Die Frage war :; was ist eine Granne und als Antwort kommt ein „Roman“,typisch wieder,manche denken sofort die Gelegenheit wahrnehmen zu müssen um sich in den Mittelpunkt zu stellen,hier geht es aber um den Hund !! Wirklich wer hat da den Nerv erst mal stundenlang zu lesen bis man eventuell eine vernünftige Antwort bekommt !!

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