Der Welpenspaziergang – Teil 1

Wir haben uns nach reiflicher Überlegung für einen Welpen entschieden. Endlich kommt der lang ersehnte Tag und wir holen unsere neues Familienmitglied, entweder vom Züchter oder aus einem der zahlreichen Tierheime oder Tierschutzorganisationen, bei denen man auch immer wieder Welpen finden kann.
Häufig kommt unser Hundekind im Alter zwischen 8 – 14 Wochen zu uns. Aus der anfänglichen Unsicherheit und dem Folgen auf Schritt und Tritt, wird irgendwann Neugierde und der Welpe wird immer mutiger.
Besonders in der Prägephase ist es wichtig, dem Hund so viel wie möglich zu zeigen, damit er viel kennenlernt und erleben kann. Wir haben uns einmal Gedanken darüber gemacht, wie man einen Spaziergang gestaltet und was man beachten muss.

Wie lange darf ein Welpenspaziergang überhaupt dauern? welpe
Gerade für frisch gebackene Welpeneltern ist es sehr schwer einzuschätzen, wie lange der Welpe laufen darf und wann er überfordert ist. In erster Linie dient ein Spaziergang dazu, dem Hundekind die Welt zu zeigen. Vieles mag beängstigend sein, alles ist neu und eine Flut von Eindrücken müssen verarbeitet werden. Wichtig ist es für uns Halter, in jeder Situation souverän zu bleiben, dem Hund Sicherheit zu geben und die Angst zu nehmen. Spass an den gemeinsamen Entdeckungstouren ist die wichtigste Voraussetzung. Doch es ist weder sinnvoll noch gesund, bereits weite Strecken mit dem Welpen zurück zu legen. Der Bewegungsapparat ist noch nicht komplett aufgebaut und die vielen neuen Eindrücke überfordern häufig. Ein kleiner Ausflug zu einem Bach oder Park, ein kurzer Besuch in der Stadt oder ein kleines Spiel auf einer Wiese sind zunächst Auslastung genug. Für lange Spaziergänge haben wir später noch genügend Zeit.
Würde man von der freien Natur des Welpen ausgehen, wären die Ausflüge rund um die Wurfstätte bis zu einem Alter von ca. 4 Monaten noch deutlich eingeschränkt. Doch unser Welpe soll ja recht viel von der Welt kennen lernen, deshalb eignet sich das Auto besonders gut. Die Fahrt dient zunächst dem Transport zum eigentlichen Ziel des Ausflugs. Wir nutzen den angenehmen Begleiteffekt, denn so wird für den Welpen das Autofahren positiv mit Spaziergang oder Spiel verknüpft. Auch ein Ausflug mit dem Bus oder Zug ist für das Hundekind ein großes Abenteuer.

Ruhebedürfniss des Welpen beachten schlafender welpe
Wir müssen bedenken, der Welpe wächst mit der Zeit an seinen Aufgaben. Anfangs sollte man den Welpen nicht mit ausgedehnten Spaziergängen überfordern. Knochen, Bänder und Sehnen sind gerade bei großen Hunderassen noch sehr weich und empfindlich. Kopflastige Aufgaben, Such- und Intelligenzspiele eigenen sich besser, als stundenlange Spaziergänge. Außerdem muß der Hund lernen, dass wir ihn nicht den ganzen Tag bespaßen können. Junge Hunde wissen nicht, wie viel Schlaf sie brauchen, sie möchten alles und das am liebsten sofort. Deshalb müssen wir ihnen Grenzen setzen und Ruhepausen einbauen, damit sie nicht überdrehen und sich total verausgaben.

Wie kann so ein Spaziergang aussehen?  liegender Welpe
Viele Welpen haben Angst, ihr „schützendes“ Nest zu verlassen und bewegen sich nur ungern weg von zu Hause. Das ist ein natürliches Verhalten und macht nichts, es gibt auch in der Umgebung des Zuhauses genug Neues für den Hund zu entdecken. Soll es aber doch ein kleiner Spaziergang sein, können wir den Welpen auf verschiedene Arten motivieren, mitzukommen. In sicherer Umgebung ist meist nicht mal eine Leine nötig, denn die meisten Welpen besitzen einen Folgetrieb, der den sicheren Anschluss an den Halter gewährleistet.
Wir können diesen Folgetrieb ausnutzen, in dem wir ihm beibringen auf uns zu achten. Gehen wir also selbstbewusst unseren eigenen Weg und sorgen frühzeitig dafür, dass der Welpe mit der Aufmerksamkeit  bei uns bleibt und darauf bedacht ist, uns zu folgen. Natürlich achten wir auf das nötige Tempo, damit wir den Kleinen nicht überfordern. Das Folgen ohne Leine wird mit dem Welpen natürlich nur unter Ausschluß sämtlicher Risikofaktoren geübt.
Besonders wichtig ist es, von Anfang an mit unserem Hund zu kommunizieren. Ab und an ein Rufen, mit Belohnung in Form von Leckerchen oder Spiel und ein Lob,  sobald der Welpe auf uns zukommt. Blickkontakt wird immer belohnt, genauso loben wir wenn der Hund wartet oder uns aufmerksam folgt. Kommunikation muss sich für den Hund immer lohnen. Kommt kein Feedback von uns, wird der Hund seine Versuche einstellen.

Wir können nicht davon ausgehen, dass wir den Welpen schon zuverlässig Abrufen können. Taucht also etwas auf was für den Welpen neu ist, wie zum Beispiel ein Artgenosse, ein anderer Mensch oder andere Tiere, dann ist es eine Möglichkeit, sich selbst von seinem Hund zu entfernen, z.B durch einen Richtungswechsel oder einen größeren Radius von ihm weg. Dabei rufen und locken wir ihn. Jetzt wird der Welpe zunächst einmal hin und her gerissen sein, schließlich möchte er das Neue erkunden, aber zu weit weg von seinem Menschen geht für ihn auch nicht. Würden wir jetzt auf ihn zugehen, um ihn z.B einzufangen, wäre es für den Welpen wie eine Bestärkung: „Oh wir begrüßen gemeinsam, dann lauf ich schon mal los.“ Bleiben wir aber standhaft und gehen weiter von ihm weg, so wird er, wahrscheinlich zunächst zögerlich, dann aber im Laufschritt, hinter uns her eilen. Jetzt ist es höchste Zeit für uns, ihn zu loben und ihm deutlich zu zeigen, wie toll er ist. Ein erfahrener Hundetrainer kann hier gute Anleitung und Tipps geben.

Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit den nötigen Grundregeln, der Leinenführigkeit und den sozialen Kontakten auf einem Welpenspaziergang.

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